7 Serien wie „The Boys“: Was man nach dem Finale schauen kann

SammlungenHlib Chahan
26. Mai 20266 Minuten
The Boys

Promotional image for The Boys — Amazon Prime Video

In den letzten zehn Jahren ist das Superheldengenre aus Comic-Adaptionen und Sommer-Blockbustern zu etwas deutlich Größerem geworden als bloßem Unterhaltungskino. Einige Serien spielen noch immer nach den klassischen Regeln: Der Held rettet die Welt, und das Böse bekommt, was es verdient. Andere brechen dieses Muster auf und fragen, was es überhaupt bedeutet, ein Held zu sein, wenn hinter dem Kostüm und den glänzenden Parolen ein echter Mensch mit Macht, Schwächen und dunklen Begierden steht.

„The Boys“ gehört eindeutig zur zweiten Gruppe. Die Serie ist eine bitterböse Satire auf eine Welt, in der Superkräfte längst zum Geschäft geworden sind, Helden als Medienmarken funktionieren und die Rettung von Menschen oft weniger zählt als das richtige Bild für die Kameras.

Nach dem Serienfinale stellt sich ganz natürlich die Frage, was man als Nächstes schauen soll. Unten haben wir sieben Serien gesammelt, die auf die eine oder andere Weise im selben Raum arbeiten: Dort ist Superheldenerzählung nicht nur Kulisse für Abenteuer, sondern ein Mittel, um über Macht, Identität und darüber zu sprechen, was mit einem Menschen passiert, wenn er mehr Stärke bekommt, als er tragen kann.

Inhalt

Gen V

Die Handlung von Gen V spielt im selben Universum wie The Boys, verlagert den Fokus aber auf junge Supes. Die Hauptfiguren studieren an der Godolkin University, einer Eliteeinrichtung für Jugendliche mit Superkräften, die auf eine künftige Superheldenkarriere vorbereitet werden. Hinter der Fassade des prestigeträchtigen Campus verbergen sich Experimente, Konkurrenzdruck, Manipulation und dunkle Geheimnisse von Vought.

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Das ist die offensichtlichste Wahl, weil Gen V direkt mit The Boys verbunden ist. Hier gibt es dieselbe Konzernbrutalität, dieselbe Idee, dass Superkräfte einen Menschen nicht besser machen, und denselben Mix aus Blut, Satire und schwarzem Humor. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass wir statt erwachsener Superhelden-Stars junge Menschen sehen, die vom System schon ganz am Anfang gebrochen werden.

Invincible

Auf den ersten Blick wirkt Invincible wie eine klassische Geschichte über einen Jungen, der Superkräfte bekommt und versucht, ein Held zu werden. Mark Grayson ist der Sohn des mächtigsten Superhelden der Erde, Omni-Man. Doch sehr schnell zeigt die Serie, dass sich hinter der bunten Animationsoberfläche eine viel härtere Geschichte über Macht, Erbe, Gewalt und den Preis des Heldentums verbirgt.

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Wie The Boys zerlegt auch diese Serie das gewohnte Bild von Superhelden. Auch hier gibt es schockierende Brutalität, moralisch komplexe Figuren und das Gefühl, dass Menschen mit Superkräften nicht Beschützer, sondern die größte Bedrohung sein können. Während The Boys die Dekonstruktion des Genres über Satire erzählt, tut Invincible das über Drama, Familienkonflikte und sehr schmerzhafte Konsequenzen.

Peacemaker

Peacemaker erzählt von Christopher Smith, einem selbstgefälligen, groben und zutiefst problematischen Antihelden, der aufrichtig glaubt, für den Frieden zu kämpfen — selbst wenn er dafür Menschen töten muss. Nach den Ereignissen von The Suicide Squad bekommt er eine neue Mission, doch nach und nach legt die Serie nicht nur seine Absurdität offen, sondern auch seine Traumata, Komplexe und innere Leere.

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Nach The Boys erkennt man in Peacemaker sofort denselben Reiz schmutziger Superheldengeschichten, die keinen klassischen Heldenpathos brauchen. Die Serie ist nicht ganz so bösartig und zynisch, nimmt aber ebenfalls heroische Männlichkeit, patriotische Klischees und eine Figur auseinander, die cool wirken will, obwohl sie innerlich längst zerfällt. Alles basiert auf schwarzem Humor, blutigem Action-Irrsinn und einer Absurdität, die nach und nach etwas Menschliches in der Figur freilegt.

Preacher

Die Hauptfigur von Preacher ist Jesse Custer, ein Priester mit dunkler Vergangenheit, der eine übernatürliche Kraft erhält und sich auf die Suche nach Gott macht. Begleitet wird er von seiner Ex-Freundin Tulip und dem irischen Vampir Cassidy. Daraus entsteht eine wilde Mischung aus Religionssatire, blutigem Actionkino, schwarzer Komödie und vollkommenem Wahnsinn.

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In Preacher gibt es keine Superhelden im klassischen Sinne, doch im Geist ist die Serie The Boys sehr nah. Beide Projekte haben keine Angst davor, grob, provokant und absurd zu sein. Auch hier gibt es viel Gewalt, moralisch fragwürdige Figuren und Satire auf Institutionen — nur dass die Serie statt auf Konzerne und das Superheldenbusiness auf Religion, Glauben und Macht zielt.

Doom Patrol

Doom Patrol ist eine Superheldenserie über Menschen, die eigentlich nie Superhelden sein wollten. Ihre Fähigkeiten sind kein Geschenk, sondern die Folge von Traumata, Unfällen, Experimenten und Katastrophen. Statt eines Teams perfekter Weltretter sehen wir eine Gruppe gebrochener Menschen, die sich gerade so zusammenhalten. Die Serie ist sehr seltsam, manchmal fast absurd, aber hinter dieser Seltsamkeit steckt etwas sehr Lebendiges. Doom Patrol macht sich nicht nur über das Genre lustig, sondern zeigt, wie schwer es ist, „besonders“ zu sein, wenn diese Besonderheit das eigene Leben zerstört hat.

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Wenn The Boys eine böse Satire über Macht, Konzerne und die Fäulnis hinter der Heldenmaske ist, dann geht es in Doom Patrol stärker um Trauma, Selbstakzeptanz und Menschen, die von der Welt zu Monstern erklärt wurden, bevor sie selbst verstehen konnten, wer sie sind.

The Umbrella Academy

In The Umbrella Academy gibt es Kinder mit Superkräften, einen reichen „Vater“, ein Superheldenteam und eine Mission zur Rettung der Welt. Im Kern geht es hier aber nicht um die Kräfte selbst, sondern um die Folgen einer Kindheit, in der Menschen wie ein Kampfprojekt großgezogen wurden — und nicht wie eine Familie.

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Früher waren sie ein berühmtes Team, doch als Erwachsene sind sie keine Helden mehr, sondern traumatisierte Menschen voller Kränkungen, Abhängigkeiten und Schuldgefühle — und völlig unfähig, normal miteinander zu reden. Und natürlich lauert irgendwo in der Nähe ständig die Apokalypse, denn in solchen Familien kann es wohl kaum anders sein.

Die Serie ist nicht so brutal und zynisch wie The Boys, zerlegt aber ebenfalls den Mythos der „besonderen Menschen“. In The Boys verwandeln Superkräfte Helden in Produkte, Medienmarken und Werkzeuge der Einflussnahme. In The Umbrella Academy werden Superkräfte Teil von Kindheitstrauma, Kontrolle und zerbrochenen Familienbanden. In beiden Fällen retten sie die Figuren nicht vor ihren Problemen — sie machen diese Probleme nur größer.

Watchmen

Watchmen ist keine leichte Abendunterhaltung nach dem Motto „Blut, Witze und Superhelden“. Es ist eine schwerere, ernstere und politischere Geschichte. Die Serie zeigt ein alternatives Amerika, in dem maskierte Rächer nicht zu Symbolen der Hoffnung geworden sind. Im Gegenteil: Ihre Geschichte hat Gewalt, Angst und viele unangenehme Fragen über Macht hinterlassen.

Superheldenstoff wird hier nicht für spektakuläre Kämpfe genutzt, sondern für eine Auseinandersetzung mit Rassismus, Gewalt, Polizei, historischem Gedächtnis und der Gefahr, die entsteht, wenn Menschen in Masken anfangen zu glauben, sie stünden über allen anderen.

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Im Ton ist Watchmen völlig anders, im Kern aber sehr nah dran. Beide Serien stellen dieselbe unbequeme Frage: Was, wenn die Menschen, die wir Helden nennen, in Wahrheit einfach zu viel Macht bekommen haben? The Boys antwortet darauf mit Satire, Blut und Zynismus. Watchmen mit politischem Drama und schweren moralischen Konsequenzen.


All diese Serien stehen auf ihre eigene Weise mit The Boys in Verbindung, ohne sie direkt zu kopieren. Gen V erweitert dasselbe Universum, Invincible zeigt Superheldenstoff von einer unerwartet brutalen Seite, Peacemaker setzt auf Absurdität und schwarzen Humor, während Watchmen den ernsthaftesten Blick auf Menschen in Masken bietet.

Wer etwas sucht, das The Boys möglichst nahekommt, sollte mit Gen V und Invincible anfangen. Für verrückten Humor, blutigen Irrsinn und schräge Superheldengeschichten sind Peacemaker, Preacher oder Doom Patrol die bessere Wahl. Und wer nach dem Finale eine tiefere Dekonstruktion des Superheldenmythos will, findet in Watchmen die stärkste Option.

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